|
Die Geschichte des REIKI

Die Geschichte, wie REIKI zu uns gekommen ist, beruht zum Teil auf wahren Begebenheiten, zum Teil ist sie Legende. Auf alle Fälle ist sie dazu da, allen REIKI-Praktizierenden den Weg zu zeigen, den Mikao Usui gegangen ist, der REIKI als Erster empfangen hat. Sie kann als Gleichnis verstanden werden. Wenn man sie aufmerksam liest, wird einem vielleicht das eine oder andere darin bekannt vorkommen, denn sie skizziert auf ihre Weise die ersten Schritte, die jeder REIKI-Praktizierende
selbst in ähnlicher Weise
geht.
Mikao Usui lebte von 1865 bis 1926. Er war ein Mensch, der - wie wir alle und viele schon vor uns - nach innerer Wahrheit und Erleuchtung suchte - und was er fand war REIKI.
Um die Jahrhundertwende unterrichte der japanische Theologe Usui an einer christlichen Priesterschule in Kyoto. Eines Tages wurde er von seinen Studenten gefragt, wie es möglich war, daß Jesus Christus durch das Auflegen seiner Hände Kranke heilen konnte. Eine Antwort auf diese Frage konnte Usui nicht geben, und so ließ es ihm keine Ruhe mehr, bis er sich schließlich entschloß, auf die Suche nach der Wahrheit zu gehen. Er entschied, seine Stellung zu kündigen und in ein christliches Land zu reisen, um dort die Lehren des Christentums ausgiebig studieren zu können.
Sein erstes Ziel war Amerika, wo er an der Universität von Chicago zum Doktor der Theologie promovierte. Doch das Studium christlicher Schriften blieb ihm eine befriedigende Antwort auf seine brennende Frage genauso schuldig, wie die Suche in Unterlagen aus dem alten China. Aufgrund seiner vielen Fremdsprachenkenntnisse, die er sich in der Zwischenzeit erworben hatte, war es für ihn auch nicht schwer, in Nordindien alte Schriften zu lesen, die im altindischen Sanskrit verfaßt waren. Doch auch diese vermochten ihm keine befriedigende Lösung seines Problems zu bieten. So kehrte Usui wieder nach Japan zurück, um viele Informationen reicher, doch das Wichtigste fehlte ihm nach wie vor - die Erkenntnis.
Die entscheidende Entdeckung machte er dann ausgerechnet in dem Kloster, in dem er nach seiner Rückkehr nach Japan lebte: er fand in 2500 Jahre alten, in Sanskrit verfaßten Buddhi-Sutren einige Formeln und Symbole, von denen er annahm, daß sie die richtigen Antworten auf seine vielen Fragen enthalten könnten, es fehlte ihm allerdings die Einweihung in deren geheimnisvolle Kraft, damit sie in ihm wirksam werden konnten.
Sogleich machte er sich zu dem heiligen Berg Kuriyama auf, um dort 21 Tage zu meditieren und zu fasten. Er hoffte, während dieser Zeit in der Einsamkeit geistigen Zugang und Kontakt zu den Symbolen und Formeln zu finden. Als Kalender verwendete er 21 kleine Steine. Für jeden verstrichenen Tag warf er einen dieser Steine weg. Die Tage verbrachte er mit dem Lesen von Sutren und in tiefer Meditation und Gebet. Je näher das Ende der Fastenzeit kam, desto stärker war seine Bitte um Erleuchtung. Doch nichts geschah.
Als der letzte Tag des Fastens vorüber war, wollte sich Usui auf den Rückweg machen. Er hatte alles getan, was ihm möglich war, um die ersehnte Erkenntnis zu erlangen. Er hat gelernt, er hat meditiert, gefastet und gebetet. Er sah ein, daß man Erkenntnis nicht erzwingen kann. Deshalb bedankte er sich für diese Einsicht und wollte seines Weges ziehen, da geschah etwas ganz und gar Ungewöhnliches. In der Morgendämmerung erblickte er ein Licht, das sich sehr schnell auf ihn zu bewegte, das immer größer wurde und ihn schließlich mitten in die Stirn traf. Er glaubte schon sterben zu müssen, als ihm erneut eine großes weißes Licht erschien, und in der Mitte dieser Lichterscheinung konnte er in goldenen, strahlenden Buchstaben in Sanskrit den Satz lesen: Ja, ich erinnere
mich. "Dies war die Geburtsstunde von REIKI und Mikao Usui der erste Mensch, der REIKI empfangen durfte. Er war das erste Glied einer Kette, an die sich im Laufe von nunmehr bald hundert Jahren Tausende von Menschen in aller Welt anschlossen. Von diesem Zeitpunkt an besaß Mikao Usui die Fähigkeit, universelle Lebensenergie zu übertragen.
Nachdem die Erscheinung vorbei war, fiel Usui völlig erschöpft in einen tiefen Schlaf, aus dem er erst mittags wieder erwachte. Er fühlte sich wie neu geboren und voller Tatendrang. Sogleich trat er den Rückweg an, verletzte sich aber dabei seine Zehe. Schützend hielt er seine Hand über das blutende Körperteil und die Blutung und der Schmerz hörten sofort auf, was er erstaunt zur Kenntnis nahm.
Da er sehr hungrig war, kehrte er unterwegs in eine Wirtschaft ein und verzehrte ein üppiges Mahl. Trotz seiner langen Fastenzeit vertrug er alles bestens. Das war für ihn das zweite Wunder an diesem Tag.
Während des Essens erzählte ihm der Wirt, daß seine Enkeltochter seit Tagen von heftigen Zahnschmerzen geplagt werde. Als Dank für die Speise legte Mikao Usui seine Hände auf das Gesicht der Kleinen - und schon waren die Schmerzen wie ausgelöscht.
Bewegt von den Ereignissen beschloß der Theologe nun, sich der Ärmsten der Armen, nämlich der Bettler der Stadt, anzunehmen und sie an der REIKI-Kraft teilhaben zu lassen. Nach etwa 7 Jahren harter Arbeit in den Slums traf er eines Tages Bettler wieder, die er vom Beginn seiner Tätigkeit her kannte und die er seinerzeit erfolgreich mit REIKI behandelt hatte. Auf die Frage, warum sie die Chance für ein neues, gesundes Leben nicht genutzt hätten, erwiderten diese, daß es nun mal leichter sei, zu betteln und Almosen zu empfangen, als sich das tägliche Brot selbst durch eigene Arbeit zu verdienen. Tief erschüttert und auch enttäuscht von diesem Erlebnis erkannte Usui, daß die Bettler etwas ganz Entscheidendes nicht gelernt hatten: dankbar zu sein und für ihr eigenes Schicksal selbst die Verantwortung zu übernehmen.
All die Erkenntnisse, die Usui auf seinem Weg zuteil wurden, faßte er schließlich in 5 Lebensregeln zusammen, die seither allen REIKI-Praktizierenden als Leitgedanken und Orientierungshilfe dienen.
Den Rest seines bewegten und erfüllten Lebens reiste der Theologe umher, um die Kunst des REIKI zu lehren. Seine Grabstätte findet man in einem Zen-Tempel in Tokio.
Einer seiner Schüler, Dr. Chijiro Hayashi, wurde dann der "Urvater" des westlichen REIKI.
Dr. Hayashi errichtete eine private REIKI-Klinik in Tokio. Bedingt durch den Krieg und den Tod von Dr. Hayashi mußte diese Klinik 1941, geschlossen werden.
Nachfolgerin von Dr. Chijiro Hayashi wurde dann die 1900 geborene Hawayo Takata. Ihre Kindheit hatte sie als Tochter japanischer Eltern auf Hawaii verbracht. Mit REIKI kam sie erst als 35-Jährige in Kontakt: als ihr Mann gestorben war, stand sie völlig allein mit zwei kleinen Kindern da. In dieser schweren Zeit, die von Krankheiten und seelischen Beschwerden geprägt war, riet ihr eine innere Stimme, nach Japan zu reisen, um dort die ersehnte Heilung ihrer Krankheiten zu finden.
Dort traf sie glücklicherweise einen Arzt, der von der REIKI-Klinik des Dr. Hayashi wußte. Die täglichen REIKI-Behandlungen in der Klinik ersparten ihr nicht nur eine Operation, sie konnte sogar nach einigen Wochen als völlig gesund entlassen werden. Tief beeindruckt von diesem Erlebnissen, beschloß Hawayo Takata die Schülerin von Dr. Hayashi zu werden und lernte ein Jahr lang bei ihm. 1938, Frau Takata war inzwischen in ihre Heimat zurückgekehrt, wurde sie nach dem Tode von Dr. Hayashi dessen Nachfolgerin. Auf Hawaii lehrte und heilte sie durch REIKI. Erst als Siebzigjährige fing sie an, selbst REIKI-Meister auszubilden. Im August 1980 gründete sie mit einigen REIKI-Meistern die REIKI-Organisation American Reiki Association, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Weitergabe von
REIKI zu koordinieren. Als Hawayo Takata starb, hatte sie 22 REIKI-Meister ausgebildet.
REIKI wird heute von zwei Nachfolgeorganisationen vertreten: REIKI-Alliance unter der Leitung von Phyllis Furumoto, der Enkelin von Frau Takata und The Radiance Technique Association International (TRTAI), ( früher:American International REIKI-Association Inc. - AIRA) von Dr. Barbara Ray, einer Schülerin von Frau Takata und zahlreichen freien
REIKI-Meistern.
......................................................
Meine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse dazu:
Diese Geschichte ist ein Grund dafür, daß Praktizierende, die sich eher der
östlich-japanischen Tradition verbunden fühlen, die Form der REIKI-Ausübung,
die durch Frau Takata in der westlichen Welt Verbreitung gefunden hat, nicht
ernst nehmen. Sie erkennen zu viele Unstimmigkeiten mit original-historischen
Überlieferungen und mit der Art und Weise, wie REIKI in Japan durch andere
Nachfolger Usuis praktiziert und weitergegeben wird. Sie erklären diese
Überlieferung zu einem Mythos, der der Aufklärung über die historischen
Tatsachen bedarf, wenn man die Essenz von REIKI erkennen möchte. Doch davon sollte man sich
nicht irritieren lassen, denn durch den Einzug in die westliche Welt blieb es
natürlich nicht aus, daß sich auch christlich-geprägtes Gedankengut in der
hiesigen REIKI-Praxis widerspiegelt. Erst wenn man sich davon befreit hat, REIKI
im Kontext einer bestimmten weltanschaulichen Tradition zu verstehen, kann man sein universelles
Wesen wirklich begreifen.
Dabei steht an erster Stelle der Fehler zu glauben, daß REIKI von Mikao Usui
erfunden worden sei, und nur derjenige REIKI wirklich erfahren kann, der sich so
genau wie möglich an den Vorgaben von Usui orientiert. In Wahrheit ist
REIKI kein Produkt seiner persönlichen Geisteskraft. Gerade die historischen
Überlieferungen von Usui untermauern dies. Er selbst hat sehr gut erkannt, daß
ihm die Kraft, die er REIKI nannte, aus einer höheren Quelle anvertraut wurde.
Um sie umzusetzen und weiterzugeben entwickelte er sein REIKI-System. Dieses
System ist anpassungsfähig und veränderbar, während die REIKI-Kraft immer
gleich bleibt. Wie gut oder schlecht so ein System wirklich ist, hängt also
nicht davon ab, wie original es ist, sondern welches Bewußtsein es verkörpert
und wie sehr es demjenigen entspricht, der darin lebt.
Deshalb hält sich der Mythos über Usui so beharrlich am Leben. Er
beschreibt nicht ein System, sondern will zu der Kraft selbst führen. Im Gegensatz zu toten, historischen Fakten ist ein Mythos etwas Lebendiges. In ihm wird eine archetypische Wahrheit transportiert. Man kann ihn mit der Wirkung eines Symbols vergleichen. Wenn Menschen mit ihm ihn Berührung kommen, wird in ihrem Bewußtsein eine tief verborgene Erinnerung geweckt. So auch durch die Erzählung von Usui und seinem REIKI-Einweihungserlebnis.
Keine Religion oder Weisheitslehre gründet sich nur auf historische Fakten. Diese wären überhaupt nicht in der Lage, mit der eigentlichen Essenz der ihr innewohnenden Weisheit zu verbinden. Deshalb ist es immer der Mythos, der sie am Leben erhält. Das Vermittelnde ist stets der innere Geist und nicht die äußere
Form. Eigentlich entspricht genau das dem östlichen Denken, das weniger auf
analytischem, als vielmehr auf bildhaftem Erfassen basiert. Ein Bild vermittelt
mehr Inhalt und Wahrheit, als korrekte, historische Daten.
Wenn dies klar ist, man zwischen Geschichte und Mythos unterscheidet, aber nicht wertet, kann man
vielleicht ein tieferes Verständnis für REIKI erwecken. Der Schüler hat so die Möglichkeit, eine Beziehung zu REIKI aufzubauen und nicht zu einer ihm fremden japanischen Energieheilmethode. Man sollte aus REIKI keinen Personenkult machen. Ich habe das Gefühl, daß dies auch gar nicht im Sinne Usuis wäre. Nicht jeder fühlt sich von der japanischen Kultur und Lebensweise inspiriert. Deshalb wird es REIKI aus meiner Sicht nicht gerecht, wenn man es nur auf seinen dortigen Ursprung reduziert, ohne den universellen Charakter hervorzuheben, der jeden Menschen anspricht.
Ich erzähle bei meinen REIKI-Einweihungen sehr gern die REIKI-Legende, natürlich mit dem Zusatz, daß es sich nicht um den historischen Lebenslauf von Mikao Usui handelt. Ich stelle immer wieder fest, daß seine tatsächliche Vita auf wenig Interesse bei den REIKI-Schülern stößt, die REIKI-Geschichte dagegen sehr gern gehört wird. Ich glaube das liegt daran, daß die Menschen bei ihr spüren, daß sie etwas mit ihnen und ihrem persönlichen Weg zu tun hat. REIKI hat nach meinem Verständnis seine Wurzeln nicht in Japan, sondern im menschlichen Herzen. Dorthin
will uns die REIKI-Kraft zurückführen. Welchen Weg wir dafür wählen ist
nebensächlich. Wenn die Richtung stimmt, ist der Weg egal.
Diese Geschichte hier ist also nicht dazu gedacht, geschichtliches Material
zu liefern, sondern sie möchte vor dem inneren Auge des Lesers ein Bild
entstehen lassen, das ihn mit Usui verbindet. Ich habe diese Geschichte schon
oft gelesen und noch viel öfter erzählt, aber dennoch kommt es hin und wieder
vor, daß ich während des Lesens oder Erzählens auf etwas aufmerksam werde,
was mir bisher entgangen war. Jedes Mal habe ich dann das Gefühl, REIKI wieder
ein Stück näher gekommen zu sein.
|
|