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Heilung
Eine Sufi-Geschichte:
Ein alter Mann und sein Sohn bestellen gemeinsam einen
kleinen Hof. Sie hatten nur ein Pferd, das den Pflug zog.
Eines Tages lief das Pferd fort.
"Wie schrecklich ", sagten die Nachbarn, "welch ein Unglück!"
"Wer weiß", erwiderte der alte Bauer, "0b Glück oder Unglück
?"
Eine Woche später kehrte das Pferd aus den Bergen zurück, es
brachte fünf wilde Pferde in den Stall.
"Wie wunderbar", sagten die Nachbarn, "welch ein Glück!"
"Glück oder Unglück, wer weiß," sagte der Alte.
Am nächsten Morgen wollte der Sohn eines der wilden Pferde
zähmen.
Er stürzte und brach sich ein Bein.
"Wie schrecklich. Welch ein Unglück!"
"Glück?... Unglück...?"
Die Soldaten kamen ins Dorf und holten alle jungen Männer in
den Krieg.
Den Sohn des Bauern konnten sie nicht brauchen,
darum blieb er als einziger verschont.
"Glück...? Unglück....?"
Viele,
die diese kurze Geschichte gelesen haben, haben mir anschließend gesagt, wie
gut sie sie fanden, denn sie drückt in ihrer Kürze so viel aus, daß es kaum
weiterer Worte bedarf. Dennoch weiß ich, nicht zuletzt aus eigener Erfahrung,
wie schwer es manchmal ist, alles was ist zu akzeptieren und willkommen zu
heißen. Doch letztlich ist es immer nur unser begrenztes Bewußtsein, das uns
daran hindert, in allem was uns begegnet, die vollkommene Ganzheit zu erkennen.
Alles was ist anzunehmen und zu bejahen heißt nicht gleichzeitig
fatalistisch die Hände in den Schoß zu legen und sich ins "unvermeidliche" Schicksal zu ergeben, sondern ganz im Gegenteil.
Es bedeutet zu begreifen,
daß dies ein Bild unseres eigenen SELBST ist. Nur wer sich
von seinem Schicksal angesprochen fühlt, der will auch antworten - daraus entsteht
Eigenverantwortung.
Auch wenn es schwer fällt, so müssen wir doch lernen, daß die Dinge sind
wie sie sind. Sie haben keine eigene Qualität. Ob etwas gut oder schlecht ist, liegt allein im Auge des Betrachters.
Viele Menschen glauben, es gehe darum, das "Gute" zu tun und das
"Böse" und "Schlechte" zu meiden. Doch leider ist es so,
daß diese Haltung dies alles erst erschafft, indem in Gut und Böse geteilt
wird, statt die Gegensätze in sich zu erkennen und zu vereinen. Wenn ich einen
Teil des Ganzen herausnehme, ihn gut heiße, so erzeuge ich automatisch den
Rest, das heißt, das was ich als schlecht bezeichne. Bildlich
gesprochen heißt das: wer sich einen Engel erschafft, der muß sich nicht
wundern, wenn er sich dann auch mit dem Teufel auseinandersetzen muß! Jeder
für sich gesehen ist nur eine Hälfte. Nur gemeinsam bilden sie das Ganze. Wer
also
Heilung sucht, der muß zuerst einmal aufhören zu trennen. Stattdessen muß er
lernen, sich den Dingen zu öffnen, die wir als
schlecht betrachten, und die wir nicht bei uns haben wollen. Doch ohne all diese
Anteile werden wir stets unvollkommen (unheil) bleiben. Dies ist der Weg
der SELBSTerkenntnis. Nicht durch Schönreden, sondern durch aktive, lebendige
Auseinandersetzung, durch leben und erleben von allem was ist kann es gelingen, auch die
abgelehnten Anteile wieder als Teile des eigenen SELBSTES zu erkennen und zu
lieben. Lieben heißt doch, sich nach und nach allem zu öffnen, es in sich
aufzunehmen und das Getrennte wieder zu vereinen. Mit allem, was wir hineinnehmen, werden wir
bewußter und
heiler. So wird aus dem Geteilten, aus der Zweiheit, wieder eine Einheit - Gott.
Denn nichts anderes als ein Zustand des ununterschiedenen Seins
verbirgt sich hinter diesem oft mißverstandenen Begriff "Gott". Ein Zustand, der für
uns nicht vorstellbar ist. Wir als Menschen leben in der Welt
der Unterschiede, und ein wirkliches Erleben des Zustands der
Einheit ist unserem Bewußtsein nicht möglich. Nur gelegentlich
ist es uns vergönnt, eine Ahnung von dem zu bekommen, was wohl
diese Einheit - Gott - ist, und das ist die Liebe.
Die Liebe, die uns selbst im Bild des anderen erkennen läßt, die
nicht mehr unterscheidet zwischen "Ich" und "Du", sondern die
weiß, daß alles eins ist.
Wenn es uns gelingt, die Unterschiede in uns zu erkennen, zu
leben und zu lieben, wenn es uns gelingt, dem SELBST in uns Raum
zum Leben zu geben,
dann ist Heilung möglich.
Diese Heilung hat nichts mit körperlicher Reparatur zu
tun. Diese ist wichtig, mitunter überlebenswichtig, aber eben
keine Heilung. Deshalb wird der wahre Weg zur Ganzheit sich
nicht an äußeren Ergebnissen orientieren oder gar ermessen
lassen. Nur das Ich will Resultate sehen, das SELBST strebt nach
Vervollkommnung im spirituellen Sinn. Und dieses Ich, mit dem wir uns identifizieren,
ist überaus mächtig. Es ist aber ein falscher König, der in uns
herrscht, denn der wahre König ist das SELBST, das Licht in uns.
Dies gilt es zu finden.
Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, denn jedem Finden geht
zuerst die Suche voraus. Und der wahrhaft Suchende wird auch an
der richtigen Stelle suchen, in der eigenen Dunkelheit, im
eigenen Schatten, denn nur dort kann das Licht gefunden werden.
Aber genau dieser Schatten ist es, den wir bei
uns nie sehen konnten oder wollten. Es ist das, was wir von uns
abgespalten und nicht als Teil unseres Ichs betrachtet haben.
Dennoch gehört dieser Schatten immer zu uns. Er begleitet uns in
den unterschiedlichsten Gestalten und erinnert uns stets an
seine Existenz. Er sucht uns heim als Krankheit und Schicksal.
Er ist so lange präsent, bis wir ihn durch unsere Beachtung und
Aufmerksamkeit aus seinem Schattendasein erlösen.
REIKI kann uns dabei helfen, diesen Schatten finden und
annehmen zu können. Schließlich wird REIKI auch die "Energie der Liebe" genannt, die wieder
zusammen fügt, was zusammen gehört. Sie heilt.
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